Textsorten lassen sich als kulturell und historisch situierte Muster des Schreibens und Sprechens verstehen, die bestimmte kommunikative Zwecke erfüllen und in einer jeweiligen Sprachgemeinschaft mehr oder weniger stark normiert sind. Sie entstehen in spezifischen sozialen, medialen und kulturellen Kontexten und prägen den Aufbau von Texten sowie die sprachlichen Mittel, die als angemessen gelten. Dazu beeinflussen sie die Erwartungen, welche Rezipient*innen an eine bestimmte Textform richten. Mit dem Aufkommen generativer KI-Systeme, die zunehmend in der Lage sind, komplexe Texte und sogar mündliche Interaktionen zu produzieren, stellt sich jedoch die Frage, ob die Beständigkeit dieser textuellen Muster in Frage gestellt wird. Werden bestehende Textsorten lediglich reproduziert, weil KI-Modelle auf großen Mengen bereits etablierter Beispiele trainiert sind oder tragen diese Technologien dazu bei, dass sich Textsorten schneller verändern, hybridisieren oder neue Formen hervorbringen? Diese Entwicklungen werfen grundlegende linguistische und didaktische Fragen auf, etwa wie sich Textsortenkompetenz und deren neue Kriterien im KI-Zeitalter definiert und welche Rolle menschliche Kreativität, subjektive Variabilität und kulturelle Prägungen künftig noch spielen.